Reels wie 2026, aber Grafiken wie 2005? Schluss damit! So macht ihr euren Feed modern

Es ist ein seltsames Schauspiel, das ich aktuell auf vielen Instagram- und LinkedIn-Accounts von Behörden und Politik beobachte: Die Reels und Videos sind richtig gut – sympathisch, nahbar, guter Schnitt, passendes Tempo. Man merkt: Da ist jemand mit Routine und Herzblut bei der Sache.

Und dann schaut man sich das ganze Profil an und denkt: Oh nein! Denn: Die Bild-Text-Posts wirken im direkten Vergleich mit den Reels, als wären sie aus einer PowerPoint von 2005 entkommen. Altbackenes Branding, Pressemitteilungs-Themen, Gruppenfotos mit Menschen im Anzug und vor langweiligen Wänden.

👉 Das Ergebnis: Ein Account mit Persönlichkeit im Video – und Amtsstempel im Feed.

Liebe Behörden und politische Stellen: Das muss nicht sein!

Warum das ein echtes Problem ist - und nicht nur “Design-Gedöns”

Wenn eure Videos zwar zeitgemäß wirken, aber Fotos und Grafiken noch altbacken, passiert Folgendes:

  1. Vertrauen bricht im Kleinen
    Eure User denken nicht „Oh, das ist aber inkonsistent“. Sie denken: „Irgendwie wirkt das nicht professionell.“

  2. Inhalte werden unterschätzt
    Selbst wenn eure Info wichtig ist: Schlechte Gestaltung sendet unterschwellig das Signal: „Ist nicht so relevant“.

  3. Ihr verliert die Anschlussfähigkeit
    Wer einmal erlebt hat, wie leicht ein gutes Reel verständlich macht, wofür sonst drei Absätze Amtsdeutsch nötig sind, der toleriert keine „Textwüste mit Wappen“ mehr.

Kurz: Schwache Grafiken sind nicht nur ein Ästhetikproblem. Sie sind ein Wirkungsproblem.

Häufige Ursache: Bewegtbild ist angekommen – aber Feedposts hängen noch im Prozess

Videos werden in vielen Teams inzwischen als eigenes Format begriffen: dafür gibt es eigene Zuständigkeiten, vielleicht ein kleines Studio-Setup, gestalterische Freiheit. Reels werden oft als “kreatives Format” gesehen.

Bild-Text-Posts hingegen laufen oft noch nach dem alten Muster: „Wir nehmen die Pressemeldung, kürzen sie minimal, packen ein Foto drauf, fertig.“ Oder: “Wir müssen posten, was uns die Fachbereiche schicken.”

👉 Und genau deshalb wirken sie wie Verwaltung – statt wie Social Media.

💡 Fünf Basics für moderne Feed-Posts

1️⃣ Das richtige Format (ja, das ist wirklich relevant!)

Wer für Fotos, Videos und/oder Grafiken das falsche Format nutzt, wirkt unprofessionell - immer!

Deshalb hier noch mal ein kleiner Format-Guide:

  • Videos/Reels (Instagram und LinkedIn): 9:16 (hochkant)

  • Feedposts auf Instagram: 3:4 (1.080 x 1.440 Pixel)

  • LinkedIn-Posts: 4:5 (1.080 x 1.350 Pixel)

Informiert alle eure Zulieferer (Fotografen, Agenturen, Fachbereiche), dass ihr nur Content in diesem Format annehmen und posten könnt.


Der kompakte Stärken-Schwächen-Check eures Behörden-Social-Media-Accounts:
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2️⃣ Vom Nutzer her denken – nicht von der Verwaltung her

Die Verwaltung denkt oft: „Was müssen wir mitteilen?“
Die Öffentlichkeit denkt: „Was betrifft mich in meinem Alltag? Und was bedeutet das für mich – heute?“

Stellt euch vor jedem Post diese drei Fragen:

  • Betrifft das unsere Zielgruppe auf Social Media wirklich, und zwar genau jetzt?

  • Wo ist die konkrete Verbindung zum Alltag unserer User – und wie stellen wir diese Kernbotschaft heraus?

  • Wie “verkaufen” wir die Information am charmantesten, so dass sie nicht weggescrollt und ignoriert wird?

Diese Fragen helfen euch dabei, Themen nach Relevanz zu sortieren, nutzergerecht aufzubereiten – oder manchmal auch einfach auf sie zu verzichten.

3️⃣ Aufbau des Posts: Verwendet dieses Muster!

Eine simple Struktur, die fast immer funktioniert:

  • Hook: ein Satz, der klar macht, warum es relevant ist – und der Interesse weckt

  • Kernbotschaft: die wichtigste Info in einem Satz

  • 2–3 Bullets: konkret, handlungsnah, ohne Floskeln, ohne Zitate

  • Call-to-Action: Link in Bio / „Mehr Infos auf…“ / „Fragen in die Kommentare“

Das ist kein müder Marketing-Trick! Das ist Leseführung – und damit Barriereabbau.

Egal, ob ihr einen Text (Caption) oder ein Carousel entwerft: Achtet auf diese Posting-Struktur.

4️⃣ Nahbare Sprache – weil ihr nicht im Amtsblatt postet

Eine Pressemitteilung ist eine Pressemitteilung und Social Media ist Social Media. Der Versucht, eine PM umzutexten, geht in der Regel schief.

Für interessant geschriebene Bild-Text-Posts braucht es andere Stilmittel:

  • #GerneperDu: Selbst in E-Mails setzt sich heute immer mehr das Du durch - auf Social Media sollte der Prozess längst abgeschlossen sein.

  • Keine Zitat-Orgie (“Ministerin X sagte dazu: …”). In Pressemitteilungen machen Zitate Sinn, da Medien ein wörtliches Statement brauchen. In Social-Media-Posts wirken sie, als würdet ihr euch selbst zitieren. Also: weglassen und die Botschaft im Text oder in der Grafik vermitteln.

  • Verwendet die Tonalität des Kanals und eurer Zielgruppe. Wählt gerne ab und zu typischen Social-Media-Slang wie “POV” oder “Für euch getestet” (so lange ihr seriös bleibt) - so zeigt ihr den Usern, dass ihr längst auf Social Media zuhause seid und eure Wunsch-Community ernst nehmt.

  • Humor ist erlaubt und erwünscht, sofern es nicht um Krisenkommunikation geht. Wichtig: Macht euch über euch selbst lustig, aber nicht über andere.

5️⃣ Modernes, zurückhaltendes (Re-)Branding: weniger Wappen, mehr Wirkung

Moderne Behörden-Logos wirken auf Social Media besser als alte Print-Wappen. Falls zu den glücklichem Ämtern gehört, die sich in den letzten Jahren ein modernes Re-Branding gegönnt haben, prima. Falls nicht: Tretet zumindest auf Social Media zeitgemäß auf.

Was für einen ansprechenden Feed 2026 bei Instagram und Co. funktioniert:

  • eine moderne Social-Media-Variante eures Logos (vom Designer eures Vertrauens)

  • konsistente Farben (2–3 reichen)

  • eine klare Schriftfamilie (statt mehrerer Schriftarten)

  • ein zurückhaltendes Branding (auf Fotos auch gerne gar keins)

  • cleane, nicht überladene Templates für Carousels und Grafiken

  • Fotos, die nach Alltag aussehen, nicht nach „Pressetermin“ oder Stock-Material

Das Ziel ist nicht „hip“. Das Ziel ist: professionell, modern, relevant! Also genau so, wie Verwaltung auf Social Media (und nicht nur dort) sein sollte.

❤️ Von “Netter Versuch” zu “Lieblingsbehörde”

Euer Account erzeugt einen Gesamteindruck.

Wenn eure Videos Wärme und Nähe ausstrahlen, eure Grafiken aber Distanz und Bürokratie – dann gewinnt am Ende nicht die Nähe. Dann bleibt der Eindruck: „Sie versuchen’s, aber so richtig ernst meinen sie es nicht.”

DAS wollt ihr nicht wirklich, oder?!

Wenn ihr es also bereits geschafft habt, mit sympathischen Videos/Reels Aufmerksamkeit zu erzeugen - dann zieht unbedingt auch bei den klassischen Feed-Posts nach!

📋 Mini-Checkliste für Behörden und Politik

  1. Für jede Social-Media-Plattform einmalig Templates im aktuellen Bild/Grafik-Format gestalten (zum Beispiel in Canva): Titel + Bullets + Call-to-Action.

  2. Themen für den Feed nach folgendem Schema auswählen: Ist das für unsere User (jetzt gerade) relevant? Wenn ja, was sind die konkreten Auswirkungen und was soll der User tun?

  3. Bild und Hook zählen: Der User sieht zunächst nur das Visual und den ersten Satz. Diese Kombination muss richtig gut sein - sonst wird euer Beitrag trotz wichtiger Message weggescrollt.

  4. Euer Corporate Design muss zeitgemäß sein - niemand (wirklich niemand) auf Social Media möchte Logos aus den 1980’er Jahren sehen! Geht mit folgender Bitte auf euren Grafikdesigner oder eure Agentur zu: “Erstelle uns eine moderne Logo-Variante und 2 bis 3 passende Templates für Instagram/LinkedIn”.

Christiane Germann von amtzweinull

Über mich

Ich bin Christiane Germann, Ex-Ministerialbeamtin und Social-Media-Beraterin für Behörden und Politik.

Seit mehr als 10 Jahren unterstütze ich Behörden dabei, Social Media intern zu organisieren und im Sinne der Bürger:innen zu nutzen.
Mein Angebot findet ihr hier.

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LinkedIn für die Politik: Gefragt ist Tacheles – nicht Amtsdeutsch