Amt 2.0 Akademie: Unser Team
Allgemein, Best Practice, Fortbildung, Rechtliches

Dienstherr 2.0: Wie Behörden Social Media für ihre Personalsuche einsetzen können

Suchen Sie Ihr Personal noch ausschließlich über den klassischen Weg, also per Stellenanzeige auf Ihrer Website und über einschlägige Stellenportale? Ja, im Jahr 2018 ist selbst dieser Weg bereits „klassisch“, denn: Ein immer größer werdender Anteil an potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern schaut sich (auch) über soziale Netzwerke nach geeigneten Arbeitgebern um. Es gibt sogar schon ein neudeutsches Wort dafür: „Social Recruiting“. Weiterlesen „Dienstherr 2.0: Wie Behörden Social Media für ihre Personalsuche einsetzen können“

Best Practice, Interviews, Redaktionsalltag, Strategie

Social Media-Verantwortliche in Behörden: Pascal Ziehm

Das Innenministerium des Freistaats Sachsen (SMI) ist eines der aktivsten Landesministerien, wenn es um die Nutzung von Social Media geht – und auch eines der erfolgreichsten. Die Fäden hält der 32-jährige Chef der Öffentlichkeitsarbeit, Pascal Ziehm, in der Hand. Weiterlesen „Social Media-Verantwortliche in Behörden: Pascal Ziehm“

Basics, Best Practice, Redaktionsalltag

Wie „lustig“ dürfen Behörden in sozialen Netzwerken sein?

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Online-Ausgabe des Magazins pressesprecher

Das Auswärtige Amt schreibt auf Twitter, es werde sich als Reaktion auf den „Brexit“ nun erst mal im Irish Pub betrinken. Das Bundesinnenministerium zitiert Meister Yoda, um eine wichtige Botschaft zu adressieren. Das Umweltressort antwortet auf Fragen seiner Follower mit Reimen und Zwinkersmileys. Und die Polizei Berlin benutzt doch tatsächlich den Hashtag „#foodporn“? Weiterlesen „Wie „lustig“ dürfen Behörden in sozialen Netzwerken sein?“

Aktuelles, Best Practice, Strategie, Tools

Drei aktuelle Social Media-Trends – und was Behörden dazu wissen müssen

In den letzten Wochen war ich auf zahlreichen Social Media-Tagungen und –Treffen unterwegs – unter anderem der Allfacebook Conference in München, dem fbcamp (Facebook Camp) in Hamburg und der re:publica in Berlin. Auch Facebook selbst hatte zu einer Veranstaltung für Social Media-Manager/innen aus Behörden und Politik eingeladen. Weiterlesen „Drei aktuelle Social Media-Trends – und was Behörden dazu wissen müssen“

Basics, Best Practice, Redaktionsalltag

Anleitung: Wie man Links „richtig“ bei Facebook teilt

Update am 16.07.2017: Facebook hat mitgeteilt, dass man Linkvorschauen ab dem 17. Juli 2017 nicht mehr selbst bearbeiten kann. Warum und was ich Ihnen nun empfehle, steht weiter unten in diesem Artikel.

Die eigenen Website-Inhalte bei Facebook posten? Mal schnell einen Link auf der Behörden-Fanseite teilen? Das scheint auf den ersten Blick einfach zu sein. Ist es aber nicht. Mittlerweile gibt es dabei eine ganze Menge zu beachten – jedenfalls, wenn man möchte, dass der Link attraktiv dargestellt und deshalb auch angeklickt wird. Hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für das „richtige“ Posten von Links bei Facebook (wird regelmäßig aktualisiert)!

Idealerweise ist es mit zwei Schritten getan: Zunächst fügt man den Link zum Artikel, den man teilen möchte, bei Facebook ein (copy & paste). Es wird automatisch eine Linkvorschau mit Bild, Überschrift, Teaser-Text und URL der Website erstellt. Weiterlesen „Anleitung: Wie man Links „richtig“ bei Facebook teilt“

Basics, Best Practice, Redaktionsalltag

Keine Angst vor Social Media: Wie man als Behörde mit einem „Shitstorm“ umgeht (Teil 1)

Dieser Beitrag ist im März 2015 als Gastartikel im Blog „Hamburger Wahlbeobachter“ von Martin Fuchs erschienen. Hier auf „Amt 2.0“ erscheint er heute als Re-Post und Teil 1 meiner 2-teiligen Serie zum Thema „Shitstorm“. Viel Freude beim Lesen! 

Einer der Hauptgründe, warum viele Behörden noch zögern, soziale Medien für ihre Außen- kommunikation zu nutzen, ist – gleich nach der Ressourcenfrage und noch vor Datenschutz- bedenken – die Angst vor einem „Shitstorm“, oder zumindest vor Wellen negativer Kommentare auf der eigenen Facebook-Seite oder dem Twitter-Profil. Aus meiner Sicht als Social Media-Managerin einer Bundesbehörde mit kritischen Themen, die schon einen Shitstorm auf der eigenen Facebook-Seite erlebt hat, ist diese Angst aber unbegründet. Warum? Das erkläre ich hier. 

Fakt 1: Shitstorms kommen äußerst selten vor – die meisten Behörden werden nie einen erleben.
Fakt 2: Man kann sich auf Shitstorms vorbereiten.
Fakt 3: Shitstorms haben auch positive Folgen.

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Facebook-Seite des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist seit zwei Jahren mit einer Facebook-Seite aktiv. In unserer einjährigen Konzeptphase zuvor waren die internen Ängste groß. Schließlich verantworten wir mit Asyl und Integration zwei Themenfelder, die viele Menschen bewegen – im positiven und im negativen Sinn. Wir stellten uns als Amt die folgenden kritischen Fragen: Würden sich, sobald wir eine Facebook-Seite eröffnen, nicht augenblicklich unsere Kritiker unserer Seite bemächtigen? Würden unsere Fachabteilungen und das Presseteam künftig nichts anderes mehr zu tun haben, als schnell und öffentlich Stellung auf Facebook beziehen zu müssen? Müssten wir künftig auch nachts arbeiten? Würde Krisenkommunikation zum Tagesgeschäft werden? Und wären wir auch noch selbst schuld daran, wie wir ja leichtsinnigerweise in die bösen sozialen Medien gegangen sind?

Doch diese Ängste waren – zumindest größtenteils – unbegründet. In den ersten 12 Monaten unserer Facebook-Präsenz bestand die Herausforderung eher darin, überhaupt jemanden für unsere Inhalte zu interessieren und „Fans“ zu gewinnen. Der Aufwand für die Moderation war in dieser Zeit eher gering. Ein durchgehendes Monitoring (auch am Wochenende) erfolgte dennoch von Anfang an gewissenhaft. Die Stimmung in unserer langsam wachsenden Community war von jeher eher positiv, was damit zu tun hat, dass wir die Themen Migration und gesellschaftliche Vielfalt (damals wie heute) positiv-emotional besetzen und unseren Fans (vielen davon mit Migrationshintergrund) eine Mischung aus Information, Unterhaltung, Diskussion und Service bieten.

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Facebook-Beitrag, der einen „Shitstorm“ auslöste

Ein „Shitstorm“ kam nach dem ersten Jahr dennoch, und zwar aus völlig unerwarteter Richtung. An einem Freitag hatten wir einen Artikel der Nürnberger Nachrichten auf unserer Seite geteilt. Er handelte von einer 4-köpfigen Familie mit dunkler Hautfarbe, die seit einem Jahr keine Wohnung fand und von diskriminierenden Erfahrungen mit Nürnberger Vermietern berichtete. Wir bezogen in unserem Beitrag (wie schon häufiger zuvor) Position gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt – und stellten uns auf den ein oder anderen Diskussionskommentar ein.

Normal waren damals rund fünf Kommentare unter unseren Beiträgen. In der Tat ließ der erste Kommentar nicht lange auf sich warten. Er stammte von einem männlichen User, der Verständnis für den Vermieter äußerte und sinngemäß darlegte, „Afrikaner“ könnten nun mal keine Ordnung halten und man sollte sie doch zunächst in speziellen Seminaren „europäisieren“. Wir überlegten in unserem Social Media-Team gerade, wie wir mit diesem rassistischen Kommentar umgehen sollten, da wies ihn unsere Community schon „in seine Schranken“ – mehrere Fans posteten Kommentare, dass sie „betroffen“ und „sprachlos“ seien und attestierten dem Kommentator einen „IQ unter 100“ (was natürlich auch gegen die Netiquette verstieß). Was uns dann aber stutzig machte, war der nächste Kommentar: „Arbeitet er tatsächlich beim Bundesamt? Das sollte man seinem Arbeitgeber melden.“ Auf die Idee waren wir in unserem Team nicht gekommen – aber ein Blick auf sein Privatprofil und ein interner Namensabgleich belegten es eindeutig: Der rassistische Beitrag stammte von einem der rund 2.600 Mitarbeiter aus unserem Haus.

Dies griffen nun immer mehr Seitenfans in ihren Kommentaren auf, die Aufregung war groß. Auch bei uns. Wir informierten an dieser Stelle unsere Vorgesetzten über den Vorfall, die ihn sehr ernst nahmen und sofort entschieden, dass wir uns von dem uns von einer anderen Behörde vorübergehend abgeordneten Mitarbeiter trennen würden. Doch es war ein Brückentag zwischen Feiertag und Wochenende, und die mitentscheidenden Stellen waren dünn besetzt – vor dem Wochenende ließ sich da nichts mehr machen. Jedoch mussten wir irgendwie reagieren.

Inzwischen kamen auf unserer Facebook-Seite Kommentare dazu, die die Seite des Vermieters verteidigten. Da hieß es zum Beispiel, man habe selbst schon mal an „Afrikaner“ vermietet und auch schlechte Erfahrungen gemacht. Der Ton – von beiden Seiten – wurde unfreundlicher. Bald zielte die Kritik nicht mehr nur auf unseren Aushilfsmitarbeiter, sondern jeder bekam sein Fett weg – Vermieter, Mieter, das Bundesamt, die Jobcenter, die Bundesregierung. Und auch die Nutzer untereinander beschimpften sich. Wir mussten bereits einige Kommentare löschen. Und posteten nun einen eigenen Kommentar: Wir bestätigten, dass es sich bei dem Kommentator in der Tat um einen Aushilfsmitarbeiter unseres Amtes handelte, erklärten aber auch, dass wir uns von seinen Kommentaren „aufs Schärfste“ distanzierten. Wir verblieben mit dem Hinweis, dass wir intern das weitere Vorgehen prüfen und uns an dieser Stelle (also bei Facebook) nochmals dazu melden würden. Dieser Kommentar wurde sehr positiv aufgenommen und vielfach „geliked“. Dennoch kehrte keinesfalls Ruhe ein – zwar war das Bundesamt nicht mehr Zielscheibe der folgenden Kommentare, doch die User stritten sich untereinander, „Rechtsaußen“ und „Links“ nahmen sich dabei nichts. So ging es den ganzen Freitag weiter. Unser Team inklusive mir sah nach dem eigentlichen Feierabend daheim weiter Kommentare durch und kam nicht von Facebook los.

Bildschirmfoto 2015-11-30 um 15.26.43 KopieAm Samstag sahen wir, dass die Nürnberger Nachrichten von dem Vorfall Wind bekommen hatten – von ihnen stammte ja der geteilte Artikel über die Familie. Ein Online-Artikel, den sie sowohl auf ihrer Homepage, als auch auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichten, titelte: „BAMF-Mitarbeiter auf Facebook: Europäisierung für Afrikaner“. Und dabei bliebt es nicht – auch die überregionalen Medien griffen die Sache auf: Die Online-Ausgaben der Mainpost und des Hamburger Abendblatts („Behörde muss rassistischen Kommentar auf Facebook erklären“) berichteten ebenfalls. Alle verlinkten auf den Facebook-Beitrag und kündigten an, dass wir uns bald wieder dazu äußern würden. Natürlich machte dies ein breiteres Publikum aufmerksam, das umgehend auf unsere Seite klickte und mitdiskutierte.

Es wurde am Samstag und auch am Sonntag also eher mehr als weniger. Unser Team inklusive Chefin verbrachte einen Großteil des Wochenendes vor dem PC. Wir gründeten eine WhatsApp-Gruppe und schickten uns Screenshots, um uns gegenseitig auf dem Laufenden zu halten und darüber abzustimmen, welche Kommentare gelöscht wurden. Inzwischen riefen uns User zu Hilfe, die von anderen (teils durch persönliche Nachrichten) beleidigt wurden. User, wiederum deren Beiträge gelöscht worden waren, warfen uns „Zensur“ vor. Und zu allem Überfluss mischte sich unser Aushilfsmitarbeiter weiterhin in die Diskussion ein – und befeuerte sie weiter.  Der Beitrag hatte seine damals bei uns übliche Reichweite bereits um das 40-fache überschritten. 

Screenshot_5Am Montagmorgen, als wir alle wieder im Dienst waren, besprachen wir das weitere Vorgehen. Unser Ziel war, möglichst schnell eine weitere Stellungnahme abzugeben. Dazu war aber wichtig, dass wir das Aushilfsverhältnis in Absprache mit der Ursprungsbehörde des Mitarbeiters tatsächlich aufgelöst bekamen und ihm das auch offiziell mitteilten – denn kein Mitarbeiter darf personelle Maßnahmen über Facebook erfahren. Uns lief ein wenig die Zeit davon, da wir nicht noch weitere Tage sämtlicheManpower in unsere Facebook-Seite stecken konnten. Wir bereiteten schon mal ein Statement vor und warteten auf das „Go“ der Personalabteilung. Mittags war es soweit, und wir posteten einen neuen Beitrag bei Facebook, in dem wir mitteilten, dass der Kollege ab morgen nicht mehr für uns tätig sein würde, da wir ein solches Verhalten keinesfalls dulden könnten und diese Konsequenz unumgänglich gewesen sei. Wir wehrten uns in dem Beitrag auch gegen den Vorwurf der Zensur und stellten klar, dass wir auch weiterhin auf das Problem des Alltagsrassismus aufmerksam machen werden, bis dies irgendwann hoffentlich nicht mehr notwendig sei.

Das Statement wurde unglaublich gut angenommen – die meisten schienen positiv überrascht, dass eine Behörde tatsächlich so schnell Konsequenzen zieht und gegen Rassismus in den eigenen Reihen vorgeht. Innerhalb eines Tages wurde es zu unserem bis dahin erfolgreichsten Beitrag. Es kamen noch viele Kommentare, auch der „Gegenseite“ die aber nicht mehr so aggressiv waren.

Screenshot_4Am nächsten Tag berichteten nicht nur die Online-Zeitungen, sondern auch einige Printausgaben, die Überschriften lauteten vereinfacht „Entlassung wegen Facebook-Post“ (taz)„Nach Rassismus-Eklat: BAMF wirft Mitarbeiter raus“ (Nürnberger Nachrichten) und „Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge wegen Rassismus entlassen“ (WAZ). Das Bundesamt kam in allen Berichten gut bis neutral weg, an einer Stelle wurden wir für unser konsequentes Vorgehen eindeutig gelobt.

Es kamen nun nur noch wenige Kommentare. Der Shitstorm war vorbei. Vorsichtshalber posteten wir in der Woche weniger Beiträge und wählten Themen ohne Diskussionspotenzial aus. Wir befürchteten, dass die User, die sich am Shitstorm beteiligt hatten, nun vielleicht dauerhaft mitdiskutieren würden – aber sie waren bereits von dannen gezogen. Wir hatten ein paar hundert Fans mehr als vorher, die sich aber als dem BAMF wohlgesonnen herausstellten.

Es hatte sich nach ein paar Tagen also alles zum Positiven entwickelt. Das lag auch daran, dass wir vieles richtig gemacht hatten – was ich hier ausschließlich auf die Außenkommunikation in der „Krise“ beziehe. Was man tun sollte, wenn man rassistische Mitarbeiter in den eigenen Reihen hat, steht auf einem anderen Blatt und wäre Thema für einen weiteren Artikel. Im Rahmen der Außenkommunikaton ist es jedenfalls am wichtigsten, ehrlich zu sein und schnell und aktiv nach außen zu kommunizieren, welche Maßnahmen man ergreift, um das Problem zu lösen – und das dann auch zu tun. Hätten wir an dem Freitag nicht den „Zwischenkommentar“ gepostet, hätte die Aggression am Wochenende sich sicher noch mehr gegen das Bundesamt gerichtet. Hätten wir keine Konsequenzen (im echten Leben) gezogen, wären wir für alle Zeiten das Amt gewesen, das offiziell die Vielfalt in unserer Gesellschaft beschwört, in Wahrheit aber rassistisch ist. Hier lag wirklich eine Gefahr. Wichtig war auch, dass wir lange vor dem Shitstorm interne Kommunikationswege für unsere sozialen Kanäle festgelegt hatten und dass es bei uns Mitarbeiter und Vorgesetzte gibt, für die klar ist, dass sie in so einem Fall auch am Wochenende mal Überstunden machen. Nun konnten wir erproben, wie gut das im Ernstfall funktioniert. Und nicht zuletzt hatten wir bereits eine treue Community aufgebaut, die sich in den Tagen aktiv gegen rassistische und beleidigende Kommentare engagierte.

BAMFDas ist jetzt ein halbes Jahr her. Wir haben inzwischen die fünffache Anzahl an Fans, legen weiterhin kritisch den Finger in die Wunde, wenn es um Rassismus und andere Migrationsthemen gibt, und 20 bis 30 Kommentare unter einem Beitrag sind keine Seltenheit mehr. Die Stimmung ist meistens positiv – trotz Pegida! – und wir mussten seither nur noch wenige Kommentare löschen oder User sperren. Wir können unsere Facebook-Seite als vollen Erfolg bezeichnen. Den Shitstorm verbuchen wir als wertvolle Erfahrung. Und seit drei Monaten twittern wir nun auch.

Aus Angst vor einem Shitstorm nicht in den sozialen Medien zu kommunizieren, finde ich daher falsch. Das ist, als ob man seine Freunde nicht einlädt, weil man Angst hat, jemand könnte eventuell ein Getränk auf den Teppich schütten. Wenn es passiert, muss man in den wenigen Tagen einfach nur richtig damit umgehen.

Eine „Checkliste“ für die Vorbereitung und den Umgang mit einem Shitstorm (speziell für Behörden) gibt es in Teil 2 meiner „Shitstorm“-Serie hier auf „Amt 2.0“. Auf Fragen und Anmerkungen in den Kommentaren freue ich mich aber auch schon mal hier! 

Ihre
Christiane Germann

Foto-Nachweis Bild 1: shutterstock.com/Dragon Images

Basics, Best Practice, Redaktionsalltag, Strategie

Die Behördenanfrage 2.0: Wie geht (guter) Bürgerservice über Social Media?

Wer die Berliner Verkehrsbetriebe auf Twitter fragt, warum eine bestimmte Buslinie derzeit in so großen Abständen fährt, erhält in weniger als einer halben Stunde eine Antwort. Wer sich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf eine Stelle bewerben möchte und über Facebook vorab ein paar Fragen dazu stellt, kann am selben Tag mit einer informativen Antwort des Social Media-Teams rechnen. Wer in Magdeburg ein Schrottfahrzeug auf der Straße entdeckt und der Stadt ein Foto twittert, bekommt als Antwort, dass sich gekümmert wird. Weiterlesen „Die Behördenanfrage 2.0: Wie geht (guter) Bürgerservice über Social Media?“

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Behörden erobern die AllFacebook Conference!

Dieser Beitrag wurde am 7.11.2015 aktualisiert.

FullSizeRenderIch kann mich gut erinnern: Vor rund zwei Jahren war ich auf Social Media-Konferenzen als Social Media-Managerin in einer Behörde noch eine Exotin. 🙂 Diese Zeiten sind vorbei: Auf der gestrigen AllFacebook Marketing Conference (AFBMC) – der größten und wichtigsten deutschen Konferenz zum Thema Facebook – war das Thema Behörden und Politik sogar ein Schwerpunkt mit eigener Bühne. Und so war auch ich mit einem Talk dabei. Was so los war, lasse ich hier  Revue passieren.

Die AllFacebook Conference findet einmal pro Halbjahr (abwechselnd in Berlin und München) statt und ist für mich Pflichtprogramm und Highlight im Kalender. Nirgends sonst bekommt man so aktuelle Infos und geballt hochwertigen Input zum Thema Facebook, Instagram und WhatsApp (letztere gehören mittlerweile ja zum blauen Riesen) an nur einem Tag. Es wird außerdem viel Wert aufs Netzwerken gelegt – und auch darauf, dass die Vorträge keinen werblichen Charakter haben.

Rückblick auf die Allfacebook Conference am 5.11.2015

Da die Konferenz sich jährlich vergrößert, gab es diesmal erstmals drei Bühnen statt zwei – und mit „Politics und Government“ eben erstmals einen (sehr gut zum Veranstaltungsort Berlin passenden) Themenschwerpunkt.

Was auf der Behörden-Bühne passierte

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Kommentare „besorgter Bürger“ auf der Facebook-Seite des Umweltbundesamts

Den Auftakt auf „unserer“ Behörden-Bühne machten zwei Bekannte von mir: Christoph Zinsius, Social Media Officer beim Umweltbundesamt und Stephan Gabriel Haufe, Sprecher beim Bundesministerium für Umwelt und zuständig für die Facebook-Seite der Ministerin Barbara Hendricks. Das UBA war mit seiner Facebook-Seite damals die erste Bundesbehörde im größten sozialen Netzwerk. Christoph Zinsius konnte daher sehr vielen kurzweiligen Anekdoten aus dem Social Media-Alltag aufwarten. So vermuten Verschwörungstheortiker hinter den Kondensstreifen von Flugzeugen ja gerne mal so genannte „Chemtraills“ – Chemikalien, die von der Regierung absichtlich in den Himmel geblasen werden. Und darüber wird dann natürlich auch heftig auf den Facebook-Seiten der „verantwortlichen“ Behörden diskutiert. Dass die Kommentatoren dabei nicht immer nett sind, kann man erahnen oder hier im Bild sehen ;-). Stephan Gabriel Haufe betonte indes, dass Social Media in Behörden mittlerweile eine Selbstverständlichkeit seien – keine Behörde frage sich mehr, ob man dort aktiv sein solle, sondern nur, wie.

Anschließend war ich mit meinem eigenen Talk „Der Staat bei Facebook – Was Behörden brauchen, um social zu sein“ (die Slides dazu findet Ihr hier) dran. Ich knüpfte dort an, wo die beiden Kollegen aufgehört hatten und zeigte einige Beispiele von Behörden, die professionell und erfolgreich über Facebook, Instagram und WhatsApp kommunizieren – darunter die Polizei Berlin, die bei Facebook mit einer Mischung aus Öffentlichkeitsarbeit, Fahndung, Prävention und Personalrecruiting über 60.000 Fans begeistert. Ich zeigte, dass Behörden in sozialen Netzwerken manchmal sogar witzig sind. Und man in Zeiten vieler Gerüchte und Hassbotschaften bei Facebook (aktuell besonders beim Thema Flüchtlinge zu beobachten) auf Behördenseiten stets offizielle Infos und Zahlen bekommt – und seine Kommentare direkt bei der zuständigen Stelle abgeben kann.

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Quelle: @stadtpegnitz

Ich räumte aber auch ein, dass nicht alle Behörden ihr Social Media-Potenzial ausschöpfen können und nannte auch dafür einige Beispiele aus meinem Beratungs-, Schulung- und eigenen Arbeitsalltag. So gibt es in Behörden wegen Personalmangels oftmals keine Vollzeit-Social Media-Verantwortlichen, sondern die Mitarbeiter/innen betreuen Seiten und Profile neben anderen Aufgaben. Meistens sind sie auch für den öffentlichen Dienst ausgebildet und müssen sich zunächst intensiv in den Bereich Social Media einarbeiten. Ein Budget für Social Media gibt es häufig ebenso wenig wie ein dienstliches Smartphone. Und Facebook-Ads zu schalten, gilt in den meisten Behörden als geradezu anrüchig…

Mein Fazit: Es gibt in dem Metier noch viel zu tun und Agenturen, Freelancer und Social Media-Experten (zu denen ich ja mit einem Teil meiner Arbeitszeit auch gehöre) können Behörden dabei noch stärker unterstützen als bisher – mit maßgeschneiderten und haushaltsfreundlichen Angeboten. Tipps hierzu gebe ich gerne!

Direkt nach mir war ein weiterer geschätzter Kollege, nämlich der „Hamburger Wahlbeobachter“ Martin Fuchs, dran. Er bloggt nicht nur sehr erfolgreich zum Thema Social Media in der Politik und in Behörden, sondern ist auch Gründer der Website Pluragraph, die die Social Media-Kanäle von Behörden listet und vergleicht und aus meiner täglichen Arbeit nicht mehr wegzudenken ist. Für seinen Blog habe ich schon mal einen Gastartikel („Keine Angst vor Social Media: Wie man als Behörde mit einem Shitstorm umgeht“) geschrieben. In seinem Talk stellte er die Frage: „Lassen sich mit Facebook Gesetze verändern?“

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Quelle: @montikoeln

Die Antwort: nein! Der Prozess des Anstoßens einer Änderung (auch durch Bürger, auch über de sozialen Medien) bis zum fertigen Gesetz kann Jahre dauern. Facebook in seiner Kurzlebigkeit kann diesen Prozess nur schwer unterstützen. Es ist auch eher kein Ort für tiefgründige politische Diskussionen. Dennoch kann man Politiker/innen natürlich auf dem „kurzen Draht“ erreichen. Positiv ist: Mehr als 90 Prozent aller deutschen Bundestagsabgeordneten sind auf Facebook aktiv – weit mehr als Behörden. Nur wenige MdB’s verzichten (beispielsweise aus Zeitgründen) auf soziale Netzwerke.

Wahlkampf über Instagram funktioniert in Deutschland laut Martin Fuchs bisher nicht – auf dem Bilderkanal wolle man hierzulande, anders als in den USA, bislang eben keine Politiker/innen sehen. Und so manches mal müsse er den Wahlkandidaten, die er in Sachen Social Media berät, schonend beibringen, dass sie durch soziale Netzwerke nicht automatisch Barack Obama werden… 😉

Noch eine spannende Session schloss sich an: Lutz Hanus berichtete, wie man einen Stadtumbau auf und mit Facebook kommuniziert. In den Jahren 2011 bis 2015 wurde nämlich die Hanauer Innenstadt aufgehübscht. Das bedeutete jahrelange Baustellen und viele Fragen der Hanauer/innen: Was wird denn da gemacht? Entsteht da ein Einkaufszentrum oder ein Museum? Sah das vorher nicht eigentlich besser aus? Die Facebook-Seite „Hanau baut um“ beantwortete alle Fragen geduldig. Jetzt, nachdem die hessische Stadt in neuem Glanz erstrahlt, wurde die Fanseite in „Hanau (neu) erleben“ umbenannt – und bringt weiterhin die ansässigen Facebook-Fans zusammen, die sich über ihre Stadt austauschen wollen. Daumen hoch von mir für ein super Projekt und einen spannenden Vortrag!

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Bild: www.shutterstock.com/pikcha

Einen weiteren Behörden Talk steuerte das Land Baden-Württemberg mit „Baden-Württemberg 2.0: Neue Medien, neue Netzwerke, neues Image“ bei.

Was sonst noch los war

Ich riss mich jedoch von der Behörden-Bühne los, um wie immer auch einen Blick über den Tellerrand zu wagen und die Beiträge von Unternehmen zu besuchen. Meine Highlights waren die Instagram-Best Practices und der Talk von 1-2-social, die am Beispiel der FB-Seite von Kentucky Fried Chicken Deutschland einmal mehr bewiesen, dass die organische Reichweite nicht tot ist. Und ich hörte den sehr witzigen Tom Thaler, den ich bisher nur über Facebook und Twitter kannte.

Die Allfacebook Conference hat regelmäßig auch die Platzhirsche unter den Speakern an Bord: Thomas Hutter und das Social Media-Anwalts-Duo Thomas Schwenke und Carsten Ulbricht mit ihrem „Facebook-Rechtsupdate“ gehören zur Stammbesetzung und sorgten auch diesmal wieder für volles Haus bei ihren Talks. Überhaupt ist die AFBMC ein schöner Ort, um viele Bekannte zu treffen, die man nach und nach über das gemeinsame Interesse am sozialen Netzwerken kennen gelernt hat. Auch von Facebook selbst sind immer Leute da – entweder als Speaker, oder sie verstecken sich wie diesmal unauffällig im Publikum und hören mit ;-). Der Behörden-Schwerpunkt hatte zur Folge, dass auch Gäste von Behörden da waren (zum Beispiel vom Auswärtige Amt, dem Innenministerium NRW den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe), was mich sehr gefreut hat. Schön war auch, dass auf der Behördenbühne Infodesignerin Daniela Vey moderierte, die Städte und Kommunen in Sachen Social Media und Webauftritt schult und berät und uns Behörden-Speakern genau die richtigen Fragen stellte, um die Talks noch interessanter zu machen.

Danke an Jens Wiese und Philipp Roth von allfacebook.de, die nicht nur wieder mal eine super Konferenz organisiert, sondern mit der Setzung des Behörden- und Politik-Schwerpunkts auch das Thema mit voran gebracht haben!

Sie waren nicht dabei? 

Die Präsentationen der Talks können Sie auf der Konferenz-Seite kostenlos herunterladen (meine Folien sind noch mal unter diesem Beitrag eingebunden). Da bei der AFBMC immer fleißig getwittert wird, kann man auch unter dem Hashtag #AFBMC viele Eindrücke abrufen. Die nächsten beiden AllFacebook Conferences sind am 17. März 2016 in München und am 10. November 2016 in Berlin – hoffentlich auch dann wieder mit Behördenthemen! Tickets für München können momentan zum „Super Early Bird“-Preis bestellt werden. Zwischen den Konferenzen sei auf jeden Fall der Allfacebook-Blog als regelmäßige Lektüre empfohlen – wer hier mitliest (man kann auch den Newsletter abonnieren), verpasst wirklich nichts, was es rund um das größte soziale Netzwerk Neues gibt. Mein Whitepaper „Der Staat bei Facebook – Warum Behörden heute social sein müssen“ ist dort auch zu finden.

Ihre 
Christiane Germann

Best Practice, Interviews, Redaktionsalltag, Strategie

Social Media-Verantwortliche in Behörden: Marlene Neumann

Ämter in sozialen Netzwerken: Das sind nicht „nur“ Ministerien, Bundesbehörden und Kanzlerinnen. Auch zahlreiche öffentliche Einrichtungen – von Universitäten über Theater bis hin zu Nahverkehrsbetrieben – machen heute ihre Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerkommunikation auch über Social Media. Weiterlesen „Social Media-Verantwortliche in Behörden: Marlene Neumann“