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Social Media für Jobcenter: Deutlich mehr Chancen als Risiken

Viele Jobcenter haben Berührungsängste, wenn es um die Kommunikation in sozialen Medien geht. Weil sie besonders viele Kunden haben, rechnen sie mit dem Schlimmsten: „Was machen wir bloß, wenn die sich jetzt alle melden und beschweren?“ Keine Sorge, das wird nicht passieren! In einem aktuellen Podcast spreche ich mit drei anderen Expertinnen und Experten darüber, wie Jobcenter erfolgreich Social-Media-Kommunikation machen können. Hier finden Sie meine drei wichtigsten Tipps, Einblicke von Social-Media-Pionieren aus Jobcentern und den Link zur halbstündigen Podcast-Folge.

Warum sich Jobcenter nicht länger vor Social Media drücken können

Ihr Jobcenter hat weiter vor, einen großen Bogen um die sozialen Medien zu machen? Definitiv keine gute Idee! Mittlerweile kann sich keine öffentliche Institution mehr erlauben, auf eine Präsenz in den sozialen Medien zu verzichten. Ein gutes Drittel der deutschen Bevölkerung nutzt Facebook, Instagram und Co. als ganz normales Kommunikationsmittel – und das nicht nur privat, sondern auch im Kontakt mit Unternehmen und Behörden. 

Dr. Markus Mempel vom Deutschen Landkreistag sieht das ebenso: „Verwaltung tut immer gut daran, wenn sie in Dialog tritt mit ihren Bürgerinnen und Bürgern. Gerade für die Jobcenter ist es sehr wichtig, alle Möglichkeiten zu nutzen, eigene Verwaltungsentscheidungen zu erklären, nachvollziehbar, transparent, verständlich zu machen und deshalb immer wieder im Dialog mit den Personen zu sein, um die es geht, nämlich den Langzeitarbeitslosen und ihren Familien.“

Meine Erfahrung als Social-Media-Beraterin ist, dass Behörden, die bei Facebook oder Twitter schnell, nett und serviceorientiert antworten, sehr positiv wahrgenommen werden. Die User merken: „Oh, da stecken ganz normale Menschen hinter, die ansprechbar sind und mir schnell eine Antwort geben.“ Das trägt deutlich mehr zu einem positiven Image der Behörde bei als die Möglichkeit, sich an eine anonyme E-Mail-Adresse zu wenden.

Das hat auch Beate Langhammer vom Jobcenter Main-Kinzing-Kreis erlebt: „Ich hatte schon Bedenken, wenn man sieht, was wir bei Google für Bewertungen bekommen und was da so steht. Ich habe aber erst einmal darauf vertraut, dass noch immer das Gespräch und eine Begegnung auf Augenhöhe geholfen hat. Ich dachte: Je nachdem, was mir da für ein Kommentar reingehauen wird, muss ich eben schauen, wie ich reagiere. Aber ich habe tatsächlich bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Ich habe auch Interessenten, die dann mal nachgefragt haben, wie genau wir das im Jobcenter machen oder was das für ein Projekt ist.“

Björn Haller vom Jobcenter Kreis Gütersloh erzählt: „Ich erfahre wider Erwarten eine immer weiterwachsende Resonanz. Man erschließt Kontakte, die man so sicherlich nicht erschlossen hätte, wenn man sich auf einem rein analogen Weg bewegt hätte. Es ist ein moderner Weg des Informationsmanagements, den wir auf jeden Fall nicht liegen lassen sollten.  (…) Ich erlebe, dass man darüber viel positive Imagearbeit leisten kann, die – je nachdem wie man es betreibt – einen überschaubaren Aufwand hat.“

Drei Tipps für den Social-Media-Start Ihres Jobcenters

Meine drei wichtigsten Tipps für Jobcenter und andere Behörden, die mit Social-Media-Kommunikation starten wollen:

  1. Netzwerke gut kennenlernen: Als Entscheider*in oder Social-Media-Verantwortliche*r einer Behörde sollte man sich zunächst einmal selbst auf den wichtigsten sozialen Plattformen umsehen und ein bisschen üben, um herauszufinden, wie diese Netzwerke funktionieren. Dann bekommt man ein Gefühl dafür, welche Themen die Nutzer dort interessieren, und kann sich überlegen, was die dringendsten Fragen der Nutzer an die eigene Behörde sein werden.
  2. Konkrete Ziele festlegen: Wichtig ist auch, sich vorab Gedanken darüber zu machen, welche Ziele konkret mit der Social-Media-Kommunikation erreicht werden sollen. Und wer die Zielgruppe ist. Geht es darum, einen besseren Service für Kundinnen und Kunden – auch online – zu bieten? Die Zahl der Bewerbungen für Ausbildungsstellen zu erhöhen? Oder sollen politische Entscheidungsträger in der Region erreicht werden? Erst danach sollten Sie entscheiden, welcher Kanal mit welcher Strategie bespielt werden soll. Als Expertin für die Social-Media-Kommunikation von Behörden unterstütze ich Sie gern in diesem Prozess!
  3. In den Dialog treten: Der schlimmste Fehler, den Behörden machen können, ist, den Social-Media-Kanal als reinen Sendekanal zu benutzen. Also irgendetwas zu veröffentlichen und dann nicht auf die Kommentare der Nutzer*innen zu antworten. Wenn die Leute eine Seite meiden, liegt das meist am mangelnden Dialog. Wichtig ist also, Interesse zu zeigen und auf Kommentare einzugehen. Dafür braucht es natürlich personelle Ressourcen – die sich aber auszahlen!

Wie viele Stellen es für eine professionelle Social-Media-Kommunikation genau braucht, was beim Start zu beachten ist und welche Erfahrungen die Jobcenter-Vertreter*innen noch in den sozialen Medien gemacht haben – all das erfahren Sie im Benchlearning-Podcast der kommunalen Jobcenter. Produziert hat den Podcast die gfa public, eine Beratungsagentur für den öffentlichen Sektor. 

gfa | public · Benchlearning-Podcast der kommunalen Jobcenter: Das Potential der Sozialen Medien

Sie arbeiten in einem Jobcenter und möchten Ihre Erfahrungen mit Social-Media-Kommunikation teilen? Oder Sie haben Fragen, die im Podcast noch nicht ausreichend beantworten wurden? Schreiben Sie hier einen Kommentar oder nehmen Sie Kontakt auf, ich freue mich auf einen gegenseitigen Austausch.

Ihre
Christiane Germann

Wie wir Sie unterstützen können

Mit welchen Jobcentern wir bereits zusammen gearbeitet haben, können Sie hier nachlesen.

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