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Klarnamenpflicht bei Facebook: Warum sich Fake-Accounts für Behörden verbieten

Man denkt ja immer, Behörden seien allzeit korrekt und seriös. Weit gefehlt! In meinen Social-Media-Schulungen und -Beratungen in und für Behörden stoße ich erstaunlicherweise sehr oft auf Social-Media-Verantwortliche und Redaktionen, die sich zur Administration der behördlichen Fanpage(s) Fake-Profile angelegt haben – und hiervon auch nicht lassen wollen.

In diesem Artikel erkläre ich, warum Sie es trotzdem (noch heute und endgültig) lassen sollten und welche Alternativen es gibt.

Was ist ein Fake-Profil?

Ein Fake-Profil ist beispielsweise ein privates Facebook-Profil, auf dem ein falscher Name verwendet wird – und in das sich gegebenenfalls mehrere Personen einer Redaktion einloggen. Manchmal ist es ein Fake-Profil auch ein Doppelprofil, da der/die Mitarbeiter/in bereits ein privates Facebook-Profil hat. All das ist verboten.

Facebook formuliert in seinen Nutzungsbedingungen und seinen Gemeinschaftsstandards klar, dass jede Person nur ein einziges persönliches Konto erstellen darf. Sie muss dafür ihren richtigen Namen und das richtige Geburtsdatum angeben und darf niemand anderem Zugriff auf dieses Konto gewähren.

Auszug aus den Nutzungsbedingungen von Facebook
(Quelle: Screenshot der Website https://www.facebook.com/legal/terms)

Da über Fake-Accounts oftmals unerlaubte Inhalte gepostet werden oder etwa Betrugsversuche laufen, geht Facebook gegen falsche private Konten auf der Plattform vor. Zwar sind Fake-Accounts nicht strafbar – es kann einem aber passieren, dass der Account gesperrt wird und man Facebook im schlimmsten Fall nicht mehr nutzen darf. Ist dann eine Fanpage mit dem Account verbunden und der Fake-Account der einzige Administrator, gibt es keinen Zugriff mehr auf die Seite. Zahlreichen Admins von Facebook-Seiten ist genau dies schon passiert. Die Profile und Seiten von Facebook wieder entsperren zu lassen, kann langwierig und im Einzelfall auch unmöglich sein.

Unter uns Berater/innen und Facebook-Expertinnen und -Experten ist ganz klar: Fake-Accounts gehen gar nicht und sind zu unterlassen! Doch wir alle kennen und haben Kunden, die es tun. Warum eigentlich?

Warum gibt es Behörden, die Fake-Profile anlegen?

Wenn ich nachfrage, höre ich Argumente, die für mich erstaunlich klingen:

  • „Ich möchte (aus Datenschutzgründen) privat kein Mitglied bei Facebook sein.“
  • „Ich möchte Privates und Berufliches trennen und deshalb soll es keinerlei Verbindung zwischen meinem privaten Profil und der Facebook-Seite meines Arbeitgebers geben.“
  • „Wir brauchen ein Profil, auf dem wir uns alle einloggen können, falls jemand im Urlaub ist.“

Warum ich diese Gründe nicht akzeptiere

Natürlich ist die Frage erlaubt, warum Facebook keine „rein dienstliche“ Bedienmöglichkeit vorsieht.

Man versteht es, wenn man in den Facebook-Hilfebereich schaut. Dort steht: „Wenn du dein Unternehmen, deine Organisation, deine Marke oder dein Produkt auf Facebook repräsentieren möchtest, kannst du dein persönliches Profil nutzen, um eine eine Seite zu erstellen oder zu verwalten.“ Facebook geht selbstverständlich davon aus, dass Personen, die „ihre“ Organisation im Netzwerk repräsentieren, dies gerne und aus freien Stücken tun und natürlich auch nur dann, wenn sie ohnehin gerne und aus freien Stücken auf Facebook sind.

Hier liegt oftmals der Hase im Pfeffer: Augenscheinlich werden in einigen Behörden Mitarbeiter/innen zur Betreuung von Facebook-Seiten „verdonnert“, die mit Social Media eigentlich nicht viel am Hut haben. Der/die ideale Social-Media-Verantwortliche ist jedoch eine Person, die auch privat in allen einschlägigen sozialen Netzwerken unterwegs ist und sie wie seine/ihre Westentasche kennt – und liebt. Nur dann wird er/sie (meiner Erfahrung nach) seine/ihre Arbeit leidenschaftlich und wirklich gut machen. So hart es klingt: Überlegen Sie also an dieser Stelle zunächst, ob Sie die richtige Person für die Aufgabe sind oder als Führungskraft die richtige/n Person/en ausgewählt haben.

Falls Sie ein privates Facebook-Profil haben, es aber privat halten möchten, sei zu Ihrer Beruhigung gesagt: Die Fans und Abonnenten der Facebook-Fanpage können nicht sehen, dass Sie hinter der Seite stecken und sie betreuen. Von außen sind die Administratoren und Beitrags-Autoren unsichtbar. Und natürlich kann der Arbeitgeber auch nicht auf ihr privates Profil zugreifen, sondern nur Sie. Die Trennung von Privatem und Beruflichem ist an dieser Stelle also objektiv kein Problem.

Falls Sie den Facebook Business Manager nutzen (dann sinnvoll, wenn mehrere Personen eine Fanpage verwalten; hier ein kleiner Leitfaden), können Sie sich und andere Admins mit der dienstlichen E-Mail-Adresse anmelden. Sie erhalten E-Mail-Benachrichtigungen zur Fanpage dann an diese Adresse. Einloggen müssen Sie sich aber trotzdem über Ihr privates Facebook-Profil.

Welche Alternative(n) gibt es?

Wer kein privates Facebook-Profil hat und anlegen möchte, kann legal nur über ein Drittanbieter-Tool auf der Seite posten und kommentieren.

Gängige Redaktionstools sind zum Beispiel

Zu beachten ist jedoch (außer den Kosten), dass der Funktionsumfang von Redaktionstools beschränkt ist. Beispielsweise können Sie über Hootsuite einen Facebook-Beitrag zwar vorplanen und posten – ihn im Nachhinein aber nicht mehr verändern oder löschen, wenn Sie nicht bei Facebook selbst angemeldet sind. Hier müsste dann eine Kollegin oder ein Kollege mit „echten“ Zugangsdaten einspringen. Außerdem geht das „Look and Feel“ der Seite für Sie verloren, wenn Sie sich nicht regelmäßig selbst darauf bewegen.

Zu beachten ist außerdem: Eine Fanpage lässt sich nur von einem Privatprofil aus anlegen. Mindestens eine/r der Administratorinnen oder Administratoren muss also sein/ihr privates Profil verknüpfen.

Wer ausschließlich über ein Redaktionstool mitarbeitet, sollte aufgrund der eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten nicht zu den Hauptverantwortlichen der Seite gehören.

Fazit

Wie alle anderen Berater/innen rate ich von Fake-Profilen vehement ab.

Zum einen, weil ich überzeugt bin, dass gute Social-Media-Verantwortliche (oder solche, die es werden wollen) ohnehin ein Facebook-Profil haben und sich nicht zu schade sind, es in geringem Umfang für den Arbeitgeber oder Dienstherrn zu nutzen, der sie (künftig) täglich dafür bezahlt, während der Arbeitszeit bei Facebook unterwegs zu sein. 😉

Zum anderen, weil Behörden und ihre Mitarbeiter/innen willens und in der Lage sein sollten, sich an Regeln und Nutzungsbedingungen der Tools, die sie verwenden, auch zu halten. Das wird umgekehrt vom Unternehmen Facebook (in Sachen Datenschutz) ja auch erwartet.

Natürlich gibt es am Ende die Möglichkeit, Facebook (und damit auch Instagram) eben nicht für Ihre Behörde zu nutzen. Ich empfinde das Vorhalten von Privatprofilen vonseiten der Social-Media-Verantwortlichen (mit echtem Namen und echtem Geburtsdatum, viel mehr muss nicht sein) aber auf jeden Fall als das viel kleinere Übel.

Ihre
Christiane Germann

Bild: shutterstock.com/Olivier le Moal