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Newsroom für die Domstadt: 5 Fragen an Alexander Vogel, Stadt Köln

Das Newsroom-Konzept – in Medienredationen und größeren Unternehmen schon seit einigen Jahren gängig – hält auch in immer mehr Behörden Einzug. Vorreiter dürfte das BMVI mit seinem „Neuigkeitenzimmer“ sein. Doch auch die größte Stadt Nordrhein-Westfalens arbeitet nun an der Umsetzung.

Hierzu durfte ich dem Pressesprecher und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Alexander Vogel, fünf Fragen stellen.

Lieber Alexander, Du bist Pressesprecher von Oberbürgermeisterin Henriette Reker und auch Social-Media-Chef der Stadt. Wie ist bisher Eure Social-Media-Arbeit organisiert: Welche Kanäle bedient Ihr, wie groß ist Eure Redaktion, wo ist sie organisatorisch angesiedelt? 

Da auch für uns als Stadt das Thema Social Media immer wichtiger wird, haben wir gerade ein eigens Social-Media-Team aufgebaut, das insgesamt aus fünf Leuten besteht.

Derzeit sind wir auf Twitter, Facebook und Instagram vertreten, schauen uns aber auch sehr genau an, wo wir zukünftig unsere Präsenz noch ausbauen müssen. 

Ihr plant, einen Newsroom aufzubauen. Erzähl doch mal, was Ihr da genau vorhabt!

Im Kölner Farinahaus sitzt die Social-Media-Redaktion der Stadt Köln. Hier soll das Newsroom-Prinzip einziehen.

Das ist die nächste Neuerung bei uns. Wir wollen unsere externe und interne Kommunikation besser aufeinander abstimmen, koordinieren und über die einzelnen Kanäle wirkungsvoll ausspielen.

Es wird also weniger ein „Raum“ sein, aber wir ändern unsere Organisationsstruktur, unsere Prozesse und Abläufe grundlegend. Wir werden dazu so genannte „Themenmanager/innen“ einstellen, die dann ihre Themen aufbereiten, aktuell halten und in Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Kanälen platzieren müssen. Das ist für eine Millionen-Metropole mit unzähligen Themen keine einfache Aufgabe. 

Das Wort „Newsroom“ löst im Zusammenhang mit Behörden bei manchen Kritik und viele Fragen aus. Unter anderem befürchten Journalistinnen und Journalisten, man würde als Stadt künftig seine „Nachrichten“ nur noch selbst senden und insbesondere dem kritischen Journalismus das Wasser abgraben wollen. Wie stehst Du zu solchen Bedenken? 

Diese Bedenken teile ich nicht. Denn es geht in unserem Modell nicht darum, etwas an den Medien vorbei zu platzieren, sondern nur konsequenter über alle Kanäle, die uns zur Verfügung stehen, zu kommunizieren.

Wir haben einen Informationsauftrag zu erfüllen: Wir müssen und wollen die Bürgerinnen und Bürger über die Arbeit des Stadtrates und  der Stadtverwaltung informieren. Da reicht es im Jahr 2019 eben nicht aus, nur ein Amtsblatt zu drucken und vor dem Presseamt einen Schaukasten aufzustellen. 

Oberbürgermeisterin Reker wurde 2015, einen Tag vor ihrer Wahl, Opfer eines Attentats. Bekommt Ihr über die sozialen Medien hierzu immer noch Resonanz, oder konnte die Aufmerksamkeit auf die städtischen Themen zurück gelenkt werden. Und wie habt Ihr dies ggf. geschafft? 

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker legt Wert auf moderne und digitale Kommunikation – und hat das Go für die Aufbau des Newsrooms gegeben

Durch das schreckliche Attentat auf Frau Reker wurde naturgemäß ihr Bekanntheitsgrad höher. Insofern merken wir eine Resonanz in den sozialen Netzwerken auf viele Themen, zu denen sich Frau Reker pointiert positioniert. Da halten sich Widerspruch und Zustimmung meistens die Waage.

Es gibt auch immer wieder unschöne Beiträge, die wir aber konsequent monitoren. Gleichzeitig bringt es diese hohe Bekanntheit mit sich, dass wir über Köln hinaus Gehör finden bei Themen: sei es in der Flüchtlingsfrage, sei es beim Thema Dieselfahrverbote. Da hat die Stimme Kölns durch Frau Reker eine besondere Relevanz. 

Sowohl die Stadtchefin, als auch Du als Sprecher twittert unter eigenen Namen auch selbst sehr aktiv. Denkst Du, dass ein/e gute/r Behördenleiter/in und ein/e gute/r Sprecher/in im Jahr 2019 jeweils selbst Social-Media-Expertise haben sollten und die Netzwerke möglichst auch unter eigenem Namen nutzen, oder reicht ein kompetentes Team? 

Eine Sprecherin oder ein Sprecher wird heute ohne eine Social-Media-Kompetenz seinem oder ihrem Job nicht mehr gerecht.

Für die Behördenleitung sieht das etwas differenzierter aus, sie muss sich auf ein Team verlassen können, das ihn oder sie gut berät. 

Vielen Dank für das Gespräch!

P.S.: Lesen Sie hier, wie ein Bürger und Blogger die Stadt Köln kürzlich für ihr Antwortverhalten auf Twitter gelobt hat. Der Artikel zeigt: Bürgerinnen und Bürger nehmen sehr genau wahr, wie gut Behörden ihre „Social-Media-Hausaufgaben“ machen!

P.P.S.: Falls Sie auch in Ihrer Behörde einen Newsroom aufbauen wollen, finden Sie bei uns die Expertise, den Aufbau zu begleiten und Ihnen beizubringen, was Sie wissen müssen.

(Interview: Christiane Germann)

Beitragsbild (Köln-Panorama): www.shutterstock.com/Guenter Albers