Best Practice, Interviews

Umwelt-Wissen per WhatsApp: 5 Fragen an Richard Kaudewitz, Bundesumweltministerium

In den letzten Wochen sind gleich zwei Ministerien mit einem WhatsApp-Angebot an den Start gegangen: Das Bundesjustizministerium mit einer fiktiven „Geschichte“ zur Entstehung des Grundgesetzes und das Bundesumweltministerium, das per WhatsApp-Abo „Umweltpolitik direkt aus dem Ministerium auf Ihr Smartphone“ bietet. Das ist kein Zufall: Aktuell geht der Trend in sozialen Netzwerken ein stückweit weg von der „Kommunikation für alle“ und dafür hin zur 1:1-Kommunikation. Hier liegt ein spannendes Betätigungsfeld mit vielen Chancen sowohl für große, als auch kleine Behörden.

Ein Grund, im Rahmen unserer neuen Blogserie „5 Fragen an…“ bei Richard Kaudewitz aus dem BMU-Referat PII2 (Öffentlichkeitsarbeit, Online-Kommunikation, Social Media) mal nachzufragen, wie das Ministerium das eigentlich macht. Er ist für den Kanal zuständig und hat uns netterweise unsere Fragen beantwortet.

Lieber Richard, das BMU ist aktiv und erfolgreich auf Twitter, Instagram und Facebook. Was hat Euch motiviert, nun auch ein WhatsApp-Abo anzubieten? 

Stimmt: Auf Twitter, Facebook und Instagram ist das BMU schon länger aktiv – und nach wie vor beobachten wir hier steigende Reichweiten und Interaktionen. Wir wollen uns darauf aber nicht ausruhen, sondern weiterhin unsere Botschaften über die Kanäle kommunizieren, die große Teile der Bevölkerung aktiv nutzen.

Da es seit einiger Zeit den Trend weg von den offenen Social-Media-Plattformen hin zu geschlossenen Gruppen und Messengern gibt, haben wir uns entschlossen, auch hier aktiv zu werden. Dabei setzen wir zunächst auf WhatsApp – hier gibt es steigende Nutzerzahlen. 46 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland können wir nicht einfach ignorieren. Über WhatsApp erreichen wir die Menschen, die uns dort abonniert haben, direkt auf dem Smartphone – wir können unsere Kommunikation also viel zielgerichteter gestalten als auf anderen Kanälen.

Das Bundesumweltministerium hat sowohl in Bonn, als auch in Berlin einen Dienstsitz. Aus Berlin wird der WhatsApp-Broadcast „gesendet“ und betreut.

Ich habe Euch natürlich auch direkt abonniert. Als ersten Beitrag bekam ich ein Begrüßungsvideo von Ministerin Svenja Schulze ausgespielt, seither gibt es ein- bis zweimal die Woche eine längere WhatsApp-Nachricht, die sich um ein bestimmtes Umwelt-Thema wie Elektro-Autos oder das Wetter dreht und interessante Fakten liefert, die vielleicht nicht jede/r Normalbürger/in weiß. Ich finde die Beiträge angenehm lesenswert. Was ist Euer inhaltliches Konzept auf dem WhatsApp-Kanal, und wie fügt es sich in Euer Konzept für die anderen Kanäle ein? 

Unser inhaltliches Konzept sieht vor, zwei bis dreimal pro Woche eine Nachricht mit Hintergrundinfos zu einem (tages-)aktuellen umweltpolitischen Thema zu verschicken. Wir überlegen uns: Über welches Thema wird gerade viel diskutiert und wo können wir noch Zahlen, Fakten und Infos zu unseren Maßnahmen beisteuern? Das bereiten wir dann gut strukturiert und lesbar auf, optimiert für Smartphone. Außerdem versenden wir regelmäßig auch Statements der Ministerin.

Regelmäßig bringt sich Ministerin Svenja Schulze selbst in den neuen WhatsApp-Kanal ein.

Im Vergleich zu anderen Kanälen bietet ein so genannter WhatsApp-Broadcast die Möglichkeit, Informationen in einem Format widerzugeben, die sonst nur schwer funktionieren würde: längere Nachrichten mit ausführlichen Zahlen und Hintergründen zu aktuellen Themen. Bei Facebook und Twitter kommt es uns auf kurze, prägnante Aussagen an – bei unserem Broadcast eher auf Hintergrundinfos. Insofern ist WhatsApp für uns eine sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Kanälen.

Antwortet Ihr auf dem Kanal auch? 

Ja, wir versuchen auf so viele Rückfragen und Kommentare wie möglich direkt einzugehen! Unsere Antworten werden natürlich nur an die jeweilige Person verschickt, sie sind für die anderen Abonnentinnen und Abonnenten nicht sichtbar. 

Wir merken, dass es sehr gut ankommt, wenn Interaktion stattfindet. Das macht den Kanal glaubwürdiger und ermutigt die Menschen, sich auch näher mit dem Thema auseinanderzusetzen. Am Anfang denken viele Abonnenten, dass der Broadcast automatisch läuft und sind dann oft überrascht, wenn unser Team persönlich auf Rückfragen antwortet.

Dieses Team steckt hinter dem WhatsApp-Kanal des BMU: Richard Kaudewitz (rechts) mit seinem Referatsleiter Arne Wichmann (links)

Möglicherweise möchten hier mitlesende andere Behörden so etwas zukünftig auch anbieten. Wie kann man sich das technisch vorstellen: Liegt bei Euch ein Smartphone auf dem Tisch, auf dem Ihr die Nachrichten eintippt? Oder bedient Ihr Euch eines Tools oder Dienstleisters? Wie sichert Ihr Euch in Sachen Datenschutz ab? 

Wir nutzen ein externes Tool, welches uns ermöglicht, Nachrichten über einen Desktop-PC zu verschicken. Darüber können wir auch auswerten, wie viele Menschen wir erreichen oder wie häufig die jeweilige Nachricht gelesen wurde. Außerdem können wir über das Tool auf Rückfragen direkt eingehen.

Das Thema Datenschutz nehmen wir sehr ernst. Der Start von WhatsApp wurde im Vorfeld mit unserem Datenschutzbeauftragten besprochen, und auf der Anmelde-Webseite werden Nutzerinnen und Nutzer explizit auf die Datenschutzhinweise aufmerksam gemacht.

Es gibt den Kanal seit gut einem Monat, deshalb ist es zu früh, nach Erfolgskennzahlen zu fragen. Aber habt Ihr schon Rückmeldungen bekommen, ob Bürgerinnen und Bürger den Kanal nutzen und er ihnen einen Mehrwert bringt? 

Der Kanal kommt bislang sehr gut an – das merken wir nicht nur an den Rückmeldungen im Haus, sondern auch an den Nachrichten, die uns die Abonnentinnen und Abonnenten zurückschicken.

Wir arbeiten natürlich auch daran, das Format und die Inhalte weiter zu verbessern. Und wir werden in Kürze den Broadcast sogar noch ausweiten, so dass nicht nur User von WhatsApp, sondern auch von anderen Messeenger-Diensten wie Telegram, Threema oder Facebook Messanger uns abonnieren können.

Vielen Dank für das Interview!

Sie möchten den WhatsApp-Broadcast des BMU abonnieren oder sich darüber informieren? Hier steht alles Wichtige!

Sie möchten für Ihre Behörde ein ähnliches Angebot schaffen?
Wir helfen gern!

Ihre
Christiane Germann